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9 Tipps, wie du mit Kindern entspannt gesunde Ernährungsgewohnheiten entdeckst

Warum gesunde Ernährung schon im Mutterleib für die Kids wichtig ist und erst recht danach, haben wir ja schon medizinisch diskutiert in vorherigen Blogbeiträgen. Heute geht es darum, welche Tricks und Kniffe denn wirklich helfen, wenn es darum geht, unseren Kids gesunde Ernährung und kulinarische Experimentierfreude näher zu bringen. Hier kommen unsere 9 besten Tricks! In unserem Team wurde ich für den Blogpost nominiert, da beim Austausch bei uns im Team klar herauskam, dass ich wohl klar die schwierigsten Esser zu Hause habe. Also, hier kommen sie: Die Killertricks einer leidgeprüften Mutter zweier sehr selektiver Esser im Alter von 6 und 8 😉

#1: Mach dir den Appetit zum Helfer


Wenn ich ehrlich bin, geht es mir nicht anders: Wenn ich heim komme und Hunger habe und ein geschnittener Rohkostteller steht rum, dann gibt es nichts Feineres… Sonst ist eine Scheibe Brot einfach immer schneller zur Hand. Das geht unseren Kleinen nicht anders, deshalb: Gemüse vor dem Kochen separieren und deinen Kindern roh anbieten, am besten, wenn die Kinder noch hungrig sind, direkt vor dem Essen schon. Da kann keiner widerstehen und sieh haben die Portion Gemüse bereits genossen!

#2: Gleiche Komponenten für alle bei Tisch anbieten, aber zu Beginn nicht vermischen

Wer einmal anfängt, separate Kindermenüs und Erwachsenengerichte bei einer Mahlzeit zu kochen, ist wirklich in der Sackgasse. Es wird zum Standard und ihr kommuniziert, dass dieses Essen für Kinder gar nicht essbar ist. Ausserdem eifern Kinder immer dem Verhalten der Erwachsenen nach und das gilt auch beim Essen. Doch wie geht man dann damit um, dass am Schluss nicht ihr immer Reis und Erbsen esst? Ganz einfach: Bei Eintöpfen die Komponenten ohne Saucen separieren, die dein Kind nicht mag. Das geht meist ohne viel Zusatzaufwand, wenn man sie zu Beginn einfach vom Rest separiert und separat auf den Tisch bringt für die Kinder. So essen alle dasselbe und die Kids können vorsichtig neues Terrain erobern.

 

#3: Gleich zu Beginn Geschmacksmonotonie keine Chance geben!

Geschmackssinn bildet sich über die Zeit, und beginnt schon im Mutterleib. Dazu ist es wahrscheinlich zu spät, wenn ihr den Artikel lest 🙂 Aber hier kommen die Tipps, wenn die Kids bereits feste Nahrung zu sich nehmen. Muttermilch ändert sich im Geschmack jedes einzelne Mal. Erst bei der Einführung der Festnahrung machen wir den Speiseplan etwas rigider. Hier lohnt es sich, das Kind früh schon an Geschmacksvielfalt zu gewöhnen, auch wenn es nur Nuancen sind. Nicht eine Woche nur Karottenpüree zum Eingewöhnen, sondern einmal Fenchel dazu, einmal Kartoffel, nie immer dasselbe anbieten. So wird Varianz zur Normalität für dein Kind – von Anfang an.

 

#4: Ab 3-4 Jahren die Probierregel einführen

Die Familie setzt sich zusammen und bespricht für jeden folgende Abmachung durch: Man darf drei Dinge nicht mögen, die hält man auf einem Zettel bildlich fest, wenn die Kinder noch nicht lesen können und vom Rest probiert man immer einen Bissen, darf es dann aber stehen lassen, wenn es nicht schmeckt. So bildet sich der Geschmacksinn langsam um. Man muss einen Geschmack bis zu 18 mal probieren, bis er dem Hirn bekannt vorkommt. Seht die Ausweitung der Geschmacksvielfalt also als (lange) Reise an mit euren Kleinen an!

Falls du möchtest, kannst du auch einen ‚Ernährungsführerschein‚ für die älteren Kids erstellen, wo man Bilder der Gemüse und Früchte und Gerichte aufmalt, die sie neu nun mögen. So kreiert man ein Erfolgserlebnis und macht Fortschritt greifbar für den kleinen Lehrfahrer.

 

#5: Gemüse und Früchte schmecken viel besser, wenn man sie auf dem Markt selber auswählen konnte

Ein anderer Kniff ist, die Kinder vor allem schon bei der Gemüse- und Früchtewahl auf dem Markt fest einzubinden. Jedes Kind bekommt ein Budget, von dem es selbst Gemüse und Früchte auswählen darf, die es in der Woche essen mag, es müssen mindestens ein Gemüse und eine Frucht sein. Selbstbestimmung ist zentral auf der Entdeckungsreise. Sobald deine Kinder Kopfrechnen können, darf man das Budget sogar selber verwalten, schauen, welche Note oder Münze gegeben werden soll und irgendwann sogar, wieviel Rückgeld man bekommen sollte.  So wird der Einkauf zum Abenteuer.

 

#6: Gemeinsamer Kochtag… mit oder ohne Globi

Macht an einem Tag in der Woche ab, wo ihr gemeinsam Zeit habt zu kochen. Typischer Weise machen wir das bei uns am Samstag, nach dem Marktbesuch. Das Globikochbuch ist bei meinen Jungs sehr beliebt und gibt ihnen auch bei der Rezepteauswahl mehr Autonomie, die sich wiederum im mehr Experimentierfreude ihrerseits niederschlägt. Beim Kochen hören wir gemeinsam Kinderhörbücher, rüsten unser Gemüse, Lachen zusammen und essen viele Stunden später zufrieden und voll des Selbstlobes unser meist unkonventionelles Essen. Letzte Woche gab es zum Beispiel Apfelmus aus 5 verschiedenen Äpfeln vom Mark (ja, Kinder wählen von jeder Sorte nur einen einzigen Apfel und am Markt geht das auch 😉 ) dazu Sesam-ummantelte Pouletfilets und Knöpfli mit Randen gefärbt sowie ein riesiger Rohkoststeller, der mit einem asiatischen Messer in Wellenform geschnitten wurde und gleich schon zum Kochen gegessen wurde! Anschliessend vermerken wir dann die neuen Gerichte auf dem Ernährungs-Führerschein und freuen uns auf die nächste Woche.

 

#7: Einladung mit Hintergedanken…

Etwas subversiv, aber sehr nützlich: Nutzt Einladungen zum Essen der Freunde der Kinder, um neue Lieblingsgerichte der Freunde zu Probieren. Meist sind eure Kinder viel einfacher zu überzeugen,  etwas Neues zu probieren, wenn ihre Freundinnen und Freunde das mit Genuss essen.

#8: Es beginnt mit dir… bring dich aktiv ein


Sich aktiv einzubringen bedeutet einerseits, es vorzuleben, aber auch das Thema inhaltlich gemeinsam zu entdecken. Gehe mit gutem Vorbild voran – was du deinen Kindern vorlebst, ist das, was sie für relevant erachten! Das gute an dem Thema Ernährung ist, dass es vielschichtig und interessant ist, auch für Erwachsene mit viel Vorbildung gibt es immer wie etwas zu erfahren. Wem Vorleben alleine nicht reicht, der kann ab 6 Jahren auch super mit Büchern arbeiten, die Kindern gesunde Ernährung gut näher bringt. Ein guter Einstieg, warum eine gesunde Ernährung wichtig ist, finden wir das “Was ist Was”-Buch zum Thema Ernährung. Auch auf Youtube gibt es coole Einstiegs-Tutorials je nach Altersklasse. Wichtig hier ist aber auf alle Fälle, dass die Kinder nicht die Nachricht bekommen, dass es bei gesunder Ernährung primär um ihr Gewicht geht. Essstörungen und Unzufriedenheit mit dem Körperaussehen sit heute schon in der Primarschule ein grosses Thema. Stellt also von Anfang klar, dass es bei der Ernährung primär darum geht, dass der Körper so besser funktioniert und es nicht ums Körpergewicht geht. Falls euer Kind darauf schon sehr sensibel reagiert oder nachfragt oder sogar äussert, dass es unzufrieden mit seinem Körper ist, nehmt das ernst und besucht unbedingt die PEP-Seite des Berner Inselspitals, wo ihr sehr hilfreiche Informationen zur Prävention von Essstörungen für die verschiedenen Altersgruppen von Kindern findet: https://www.pepinfo.ch/de/Projekte-PEP/index.php

 

#9: Die sensible Balance halten beim Thema Teller Aufessen

Der letzte Tipp sollte eigentlich der erste sein… denn die ganze gemeinsame Reise hin zu einem genussvollen und bewussten Genuss bringt gar nichts, wenn die Reise durch zu viel Zwang geprägt ist oder das Gesundheitsthema zu dominant wird. Primär soll es immer um Genuss und Wohlgefühl gehen, wenn ihr mit euren Kids über Essen sprecht.

Druck ausüben bringt gar nichts, denn das verkommt schnell zu einem Powerplay, wo es gar nicht mehr darum geht, mit dem Kind einen Schritt weiterzugehen. Es verhärten sich aber leider die Fronten und Fortschritt wird anschliessend schwerer. Das ist aber auch kein Freifahrtenschein für eure Kids: wer sich zum Beispiel von etwas nachschöpft, soll alles auch ausessen, da die Menge ja eigenbestimmt ist. Falls etwas übrig bleibt, isst man es halt zum Znüni oder zum Znacht noch fertig, bevor man sich anderes nachnimmt. So schult man Selbstverantwortung und ein respektvoller Umgang mit wertvollen Lebensmitteln.

 

One thought on “9 Tipps, wie du mit Kindern entspannt gesunde Ernährungsgewohnheiten entdeckst

  1. Hat jemand Erfahrungen damit, wenn das eine Kind eine oder mehrere Allergien hat und das andere Kind nicht unter den Einschränkungen leiden soll? Wie macht ihr das im Alltag? Was sind die Herausforderungen? Bitte gerne Blogpost dazu hier unten beifügen! Danke!

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